"Unsere Friedensordnung ist bedroht"

Bischof Heiner Wilmer feiert mit Sicherheitskräften Friedensgottesdienst

Anlässlich des Weltfriedenstages feierte der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ am Donnerstag mit Angehörigen der Bundeswehr, der Bundes- und Landespolizei und des Zolls einen Gottesdienst im Hildesheimer Dom. 

Bischof Wilmer bedankte sich im Gottesdienst bei den Sicherheitskräften. „Danke, dass Sie in Ihrem herausfordernden Dienst immer wieder bereit dazu sind, konstruktive Lösungen zu suchen, Menschen in Krisensituationen zu begleiten und Wege aufzeigen, die zum Besseren, ja sogar zum Frieden führen. Unsere gesellschaftliche Situation wird immer herausfordernder. Gewalt und Eskalationen greifen um sich, unsere Friedensordnung ist bedroht. Ihr Dienst ist damit noch komplexer und noch wichtiger geworden, als er es ohnehin schon ist. Ich wünsche Ihnen persönlich und für Ihren Dienst viel Kraft und viele Ideen für entwaffnende Lösungen“, sagte Wilmer.

Aus Kiel war Torsten Stemmer zum Friedensgottesdienst angereist; er ist der zuständige Militärdekan für die Bundeswehrstandorte in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen. Er weiß, Militärseelsorger sind wichtige Gesprächspartner für die Soldatinnen und Soldaten. So gehe der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, die Unberechenbarkeit der aktuellen US-Regierung nicht spurlos an den Angehörigen der Streitkräfte vorbei. „Natürlich werden diese Entwicklungen von den Soldatinnen und Soldaten sehr genau beobachtet. Die sich rasant verändernde weltpolitische Lage hat Folgen für die Planungen der Bundeswehr und damit auch ganz konkrete Auswirkungen auf die Soldatinnen und Soldaten: erhöhte Bereitschaftszustände, Patrouillen in der Ostsee, Stationierung in Polen, Slowakei und Litauen sowie verstärkte Übungstätigkeiten sind einige Beispiele dafür“, so Stemmer.

Gerade in den letzten Wochen wird immer häufiger über einen möglichen Frieden gesprochen, der allerdings durch UN-Friedenstruppen geschützt werden müsste. Für den Militärdekan ist klar, dass, falls auch deutsche Kontingente an so einer Mission zur Friedenssicherung beteiligt wären, ebenfalls Seelsorger mit in den Einsatz gehen. „Die Militärseelsorge folgt der Truppe. Das heißt, wir gehen selbstverständlich dahin mit, wohin auch immer der Bundestag die Bundeswehr schickt, gegebenenfalls auch in die Ukraine“, erklärt er.

Auf die Frage, ob sich der traditionelle Friedensgottesdienst im Hildesheimer Dom nicht überholt habe, kommt von Stemmer ein klares Nein. „Je unruhiger und unübersichtlicher es in der Welt wird, desto mehr merken wir, dass wir Menschen nicht alles alleine aus uns heraus können. Wir Menschen sind auf Gottes Hilfe angewiesen, dass er uns im Bemühen um Frieden und Gerechtigkeit bestärkt und leitet. Gerade mit denjenigen, die mit ihrem Leben in Bundeswehr, Polizei und Zoll für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung einstehen, beten wir um Frieden und erbitten Gottes Segen, damit sie Ihren Dienst zum Wohle der Gesellschaft gut ausüben können“, betont Stemmer.

Edmund Deppe